Fragen und Antworten mit Roberto Franchitti

FÜR LEBENSMITTEL AUCH IN DER ZUKUNFT SORGEN

Roberto kam 2007 zu Tetra Pak und leitet heute das Entwicklungs- und Technikteam für unsere Plattform „Carton Value and Economy”, die rund 90 Prozent des Umsatzes von Tetra Pak ausmacht. In diesem Beitrag sprechen wir darüber, wie Tetra Pak die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert und wie die Verringerung der betrieblichen Auswirkungen zugunsten unserer Kunden einen großen Unterschied bewirken.

Roberto Franchitti:

Können Sie uns kurz schildern, was Sie tun?

Ich leite ein 600-köpfiges Team, hauptsächlich technisches Personal und Wissenschaftler, wie Maschinenbauer, Chemiker, Softwareentwickler, sowie andere Fachleute. Unsere Aufgabe ist es, Tetra Pak Verpackungslösungen zu entwerfen und zu entwickeln – also die Kartons, die Käufer zu Hause im Kühlschrank haben, sowie alle Verpackungsanlagen, die bei unseren Kunden an ihren Produktionsstandorten stehen. Das bedeutet, dass wir nicht nur die Kartons für flüssige Lebensmittel herstellen, sondern auch die Anlagen, mit denen sie in den Karton abgefüllt werden – und zwar so sicher, effizient und mit so wenig Verschwendung wie möglich.

Worin liegt das Ziel von Tetra Pak, wenn es um Lebensmittelverschwendung geht?

Das Ziel unseres Unternehmens basiert auf der Prämisse, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum wir existieren und warum wir so erfolgreich waren. Nehmen Sie ein Produkt wie Milch: sehr nährstoffreich, leicht verderblich. Wenn Sie es in einem unserer Behälter verpacken, können Sie es – ohne Kühlung und ohne Verderben – über lange Strecken, auch über Kontinente hinweg, transportieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Milch verzehrt wird, bevor sie verdirbt, ist also viel höher. Bei den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen 2 (SDG 2 – Null Hunger) geht es darum, den Hunger zu bekämpfen. Dank der Prozesse und Verpackungen von Tetra Pak können unsere Kunden ein abgelegenes Dorf mit erschwinglichen und nahrhaften Lebensmitteln versorgen. Dieses eine Beispiel zeigt, warum Tetra Pak vor 67 Jahren als das Unternehmen gegründet wurde, heute und auch künftig eine bedeutende Rolle spielt.

Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Ihre Abteilung?

Wenn wir über das Thema Nachhaltigkeit sprechen, versuchen wir es aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Das heißt, wir sprechen über die Nachhaltigkeit unseres Geschäfts und unserer Kunden, über unsere Geschäftstätigkeit, den Alltag unserer Mitarbeiter und Verbraucher und natürlich über unseren Planeten. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur, Lebensmittel zu verarbeiten und zu verpacken, sondern alles, was mit unserer Arbeit zusammenhängt – angefangen bei der Art und Weise, wie wir Anlagen konzipieren, über ihren Betrieb bis hin zum gesamten Energie- und Wasserverbrauch während ihres Lebenszyklus. Es bedeutet auch, über die Auswirkungen bei der Herstellung nachzudenken, welche Materialien wir wählen und wie wir die Anlagen montieren und transportieren.

Wie verbessern Sie die Nachhaltigkeit Ihrer Plattform?

Wenn mein Team mit der Entwicklung eines neuen Anlagenteils beginnt, legen wir zwei Hauptkategorien für seine Produktanforderungen fest: die eine Kategorie bezieht sich auf die Lebensmittelsicherheit und die andere auf die Leistung. Die zweite Kategorie der Leistung steht beim Thema Nachhaltigkeit stark im Fokus – denn unsere Maschinen laufen mit besserer Leistung schneller, verbrauchen weniger Energie und Wasser und sorgen so für weniger Verschwendung. Wir betrachten stets das gesamte System und suchen nach der noch so kleinsten Verbesserungsmöglichkeit. So haben wir kürzlich eine Hochgeschwindigkeitsabfüllmaschine auf den Markt gebracht, die 40.000 Packungen pro Stunde produzieren kann und damit fast doppelt so schnell ist wie ihre Vorgängerversion. Einige unserer Kunden produzieren auf nur einer Abfülllinie 950.000 Packungen pro Tag. Wenn wir also auch nur eine „kleine” Verbesserung von 0,01 % pro Packung erzielen – bei Energieverbrauch, CO2-Ausstoß oder was auch immer – dann macht das einen großen Unterschied.

Was treibt diese kontinuierliche Suche nach kleinen Verbesserungen an?

Das Bewusstsein für und der Wunsch nach Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit ist viel höher als je zuvor – sowohl auf Seiten der Gesellschaft als auch des Gesetzgebers und vieler unserer Kunden. Unsere globalen Kunden treiben die Agenda aus Nachhaltigkeitssicht stark voran. Darin liegt also ein Teil der Motivation. Eine weitere persönliche Triebfeder war mein Beitritt zum Nachhaltigkeitsforum – es war ein wahrer Augenöffner für mich. Ich habe festgestellt, wie viel unternehmerischer Sinn Nachhaltigkeit für Tetra Pak – und für unsere Kunden – tatsächlich macht. Wenn wir beispielsweise diese marginalen Vorteile bei unseren Anlagen erzielen, reduzieren wir deren ökologische Auswirkungen, sparen unseren Kunden Geld, reduzieren Lebensmittelverschwendung und tragen zur Erreichung der nachhaltigen UN-Entwicklungsziele bei.

Was ist die größte Herausforderung, vor der Sie bei Ihren Bemühungen um Nachhaltigkeit stehen?

Obwohl Nachhaltigkeit ein klares globales Ziel ist, variieren die spezifischen Herausforderungen weltweit, von Nordamerika über Südostasien bis hin nach Westeuropa. Es ist ein Fehler zu glauben, dass wir all diese Herausforderungen begreifen. Sie sind von Region zu Region unterschiedlich und ändern sich ständig. Japan verfügt zum Beispiel über eine fortschrittliche und reife Wirtschaft, steht jedoch auch vor demografischen Herausforderungen. Viele Senioren Japans leben allein oder zu zweit, und viele von ihnen schaffen es kaum, einen Liter Milch zu verzehren, bevor er verdirbt. Das bedeutet eine Verschwendung von Lebensmitteln. Zusammen mit unseren Kunden in Japan arbeiten wir daran, die Größe der Behälter zu ändern, sodass wir Verpackungsgrößen bereitstellen können, die den Bedürfnissen der Verbraucher optimal entsprechen. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Antwort auf die richtigen Umstände zu finden.

Gibt es interessante Partnerschaften, von denen Sie uns berichten möchten?

Im Jahr 2017 entschied sich Just Water, eine Marke für nachhaltig abgefülltes Wasser in den USA, für Tetra Pak als Verpackungsanbieter. Ich bin sehr stolz darauf, dass sich ein Unternehmen mit dieser Art von Unternehmensethos für ein System von Tetra Pak entschieden hat. Das Material der Flaschen von Just Water wird zu 82 Prozent aus Pflanzen gewonnen, das Papier von Bäumen und die Verschlusskappe und das Verpackungsoberteil aus Zuckerrohr. Dies summiert sich zu einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 74 Prozent im Vergleich zu einer Standard-Plastikflasche.

Worauf freuen Sie sich nächstes Jahr am meisten?

Ich freue mich auf die spannende Gelegenheit, einige der weltweiten Herausforderungen bei der Lebensmittelverpackung wirklich anzugehen. Wir tragen eine Verantwortung aufgrund dessen, wer wir sind, und wir haben die Ressourcen, das Talent und den Antrieb, wirklich etwas zu bewirken. In meinem Team steht die Nachhaltigkeit ganz oben auf unserer Agenda.